Solvay – steht selten drauf, ist meistens drin

Das Bad Hönninger Solvay-Werk hat zwei im Wesentlichen zwei Produktbereiche: Barium- und Strontiumcarbonat für Ziegel und High-Tech sowie Percarbonate für Waschpulver.

Barium- und Strontiumcarbonat

Dachziegel

Barium- und Strontiumcarbonat wird überwiegend zur Herstellung von Glas- und Keramikprodukten verwendet. Im Bereich Bildschirmglas ist die heutige Anwendung hauptsächlich bei den "flachen" Plasma- und LCD-Geräten zu sehen, die klassische Bildröhre hat ihre Bedeutung verloren. Bei Ziegeln und Klinkern verhindert der Zusatz von Bariumcarbonat unansehnliche Sulfatausblühungen und erhöht deren Witterungsbeständigkeit. 

Beide Produkte sind wichtig für die Herstellung von Elektromagneten, die u.a. in hochwertige Gleichstrommotoren gebraucht werden. Diese Antriebe findet man z.B. in Autos und Waschmaschinen. In Feuerwerkskörpern sorgt Barium für die Farbe grün und Strontium für die Farbe rot. 

Als Nebenprodukt bei der Herstellung von Barium- und Strontiumcarbonat fällt Schwefel an. Schwefel ist ein Rohstoff für Erzeugnisse der Gummiindustrie wie beispielweise Autoreifen.

Persalze

Washpulver in Waschmaschine

Für den Geschäftsbereich Peroxide stellt die Solvay Chemicals GmbH in Bad Hönningen wichtige Zutaten für Waschpulver her. Das Persalz Natriumcarbonat-Peroxyhydrat liefert den "aktiven" Sauerstoff, der bei der Wäsche für umweltfreundliche Entfernung von Flecken sorgt. Speziell für die Weiterentwicklung dieser Produkte und ihrer Herstellungsverfahren hat Solvay im Werk Hönningen ein Forschungszentrum eingerichtet. 
   
Die IXPER®-Produkte Calciumperoxid und Magnesiumperoxid sind chemische "Tausendsassa". Sie finden z.B. Anwendung in Zahnpasten, Backwaren, Kosmetika, Saatgut und bei Bodensanierungen. 

Die Bad Hönninger Solvay-Produkte sind also in vielen Artikeln des täglichen Gebrauchs enthalten und für die Menschen sehr nützlich. In Bad Hönningen weiß man: 

Carbonate: Oft drin, aber selten drauf

Solvay nutzt Thermalquellen für Grundstoffe wie Bariumcarbonat, das in vielen Alltagsdingen steckt.

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Abgepackt: Das Bariumcarbonat wird aus Bad Hönningen an internationale Kunden versandt. Foto: Roth

Der Mittelrhein ist berühmt für Wein. Dabei birgt die Region auch unter der Oberfläche einige Schätze. Zum Beispiel natürliche Kohlensäure. Da kann die Chemie was draus machen, dachte sich Walther Feld: Vor 130 Jahren gründete der Neuwieder Chemiker im benachbarten Bad Hönningen eine Chemiefabrik, die bis heute Bariumcarbonat und weitere Carbonate herstellt. Heute gehört sie zur Solvay-Gruppe.


Lastwagen fahren an den historischen Ziegelbauten des Betriebsgeländes vorbei. Sie transportieren unter anderem Kohle vom firmeneigenen Rheinhafen zu den Silos. In ihnen wird aus der Kohle, dem Mineral Schwerspat beziehungsweise Coelestin und Kohlendioxid der kohlensäurehaltigen Thermalquellen in Bad Hönningen und Bad Breisig Barium- und Strontiumcarbonat produziert.

Bariumcarbonat macht wetterfest

Die beiden Carbonate sind neben den Persalzen für Waschmittel der zweite Unternehmensbereich am 245 Mitarbeiter starken Standort. Bariumcarbonat wird vor allem als Grundstoff für Hochqualitätsgläser wie Kameralinsen sowie für die Witterungsbeständigkeit von Ziegeln und Klinkern gebraucht. Strontiumcarbonat findet sich in Bildschirmgläsern und den Permanentmagneten kleiner Elektromotoren, etwa in den unzähligen Kleinmotoren in Autos und Waschmaschinen. Als Koppelprodukt fällt Schwefel an, das die Reifenindustrie als Vulkanisationsmittel nutzt.

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Ursprünglich wurde über Bariumperoxid, das bei der Produktion von Bariumcarbonat anfällt, auch Wasserstoffperoxid zur Persalzproduktion gewonnen. Persalze nutzt die Waschmittelindustrie als „aktiven Sauerstoff“ zur umweltfreundlichen Fleckenentfernung in Waschmittelpulver oder Spülmaschinentabs. „Heute beziehen wir das Wasserstoffperoxid aus unseren Produktionsstätten in Europa, vor allem aus Bernburg in Sachsen-Anhalt. Das gilt auch für den zweiten wichtigen Rohstoff Natriumcarbonat, das auch als Soda bezeichnet wird“, sagt Manfred Mathes, Betriebsleiter des Unternehmensbereichs Persalze.

Am Bad Hönninger Standort verleibt sich die über Schienen- und Schifffahrtsanbindung mit der Welt vernetzte Produktion wie ein riesiger Organismus aus Silos, Türmen, Öfen, Förderbändern, Rohren, Hallen und Schloten die Rohstoffe ein. Sie werden verarbeitet, über Qualitätskontrolle und Weiterverarbeitung geschickt, bis die Pulver und Granulate schließlich abgefüllt in Säcken auf ihre Auslieferung rund um den Globus warten.

Ihre Produkte begegnen uns jeden Tag

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„Ob in Brasilien, wo ich herkomme, oder hier in Deutschland: Es ist unglaublich, wo unsere Produkte weltweit drinstecken“, sagt Marcelo Ferreira-Dinardi, Betriebsleiter Barium- und Strontiumcarbonate. „Wenn wir in unser Auto einsteigen und das Fenster öffnen: Der Elektromotor läuft mit unseren Produkten. Wenn wir zu Hause das Waschbecken oder eine Kamera benutzen: Die Beckenglasur enthält unsere Produkte genauso wie die Kameralinse.“

Doch kaum einer kennt sie, denn auf kaum einem Endprodukt sind die Carbonate made in Rheinland-Pfalz explizit aufgeführt. Stecken sie irgendwo drin, kommen sie in den allermeisten Fällen aus Bad Hönningen, wie Geschäftsführer Erik Bonmann sagt: „Wir sind die einzigen Produzenten für Strontium- und Bariumcarbonat in Europa.“

Die wenigsten Bewerber auf Stellenanzeigen kämen aber wegen der Produkte zu Solvay. „Für die meisten ist die Region ausschlaggebend“, stellt Bonmann fest. Doch auch, wenn die Gegend mit Wein und Thermalquellen ziemlich reizvoll ist: Besonders Chemikanten und Industriemechaniker dürften sich gerne noch stärker für den Solvay-Standort am Mittelrhein interessieren.

Quelle: https://www.wir-hier.de/wissensbissen/made-in-rheinland-pfalz/detail/carbonate-oft-drin-aber-selten-drauf/

von Kilian Obertopp und Wiebke Bomas

Pulver besser als Flüssigwaschmittel

Für viele ist es eine Glaubensfrage

Washpulver in Waschmaschine

Pulver oder Flüssigwaschmittel? Was entfernt Flecken besser? Was lässt weiße Wäsche auch nach zig Waschdurchgängen immer wieder reinweiß und frisch erstrahlen?

Diesen Fragen ging die Stiftung Warentest 2009 nach und nahm 19 Vollwaschmittel unter die Lupe. Das Ergebnis: Pulver sind durchweg besser als flüssige Waschmittel. Ob Waschleistung oder Umweltbelastung – jedes getestete Pulver konnte im Test überzeugen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man sich für ein Markenprodukt entscheidet oder zum Discounter geht.
Woher kommen die Unterschiede? Vor allem dann, wenn es um weiße Wäsche geht. Der Grund liegt in den Zusätzen, die in Flüssigwaschmitteln fehlen. Dazu gehören Zeolithe, die das Wasser enthärten, und Hilfsstoffe, die den Schmutz festhalten. Eine zentrale Rolle spielen Percarbonate, wie sie Solvay in Bad Hönningen herstellt. Als Bleichmittel leisten sie ganze Arbeit und sorgen maßgeblich dafür, dass Flecken vollständig entfernt werden und weiße Wäsche auch nach vielen Durchgängen wirklich weiß bleibt.

In Flüssigwaschmitteln sucht man diese Substanzen vergeblich, da sie als Pulver verarbeitet werden und in Pulverform auch länger stabil bleiben. Ohne diese Zusätze schwimmen die gelösten Schmutzpartikel frei in der Lauge und legen sich als Grauschleier wieder über die Wäsche. Mit jedem Waschgang wird dieser Schleier sichtbarer – und dann schafft es auch das beste Pulver nicht mehr, das Weiß zurückzuholen. Pluspunkte konnten die Waschpulver auch bei der Umweltverträglichkeit sammeln; sie belasten Gewässer weniger. Flüssigwaschmittel hingegen enthalten mehr Tenside, wofür ihre Umwelteigenschaften nur mit befriedigend bewertet wurden.

Prozess zur Herstellung von Persalzen

Persalze werden für Reinigungsmittel benötigt und in Bad Hönningen hergestellt

Bad-Hoenningen-Persalzen

Percarbonate werden vor allem für Waschpulver eingesetzt. Percarbonat besteht im Wesentlichen aus Soda, Wasserstoffperoxid (H2O2) und Kochsalz. 

Rohstoffe, die Solvay selbst gewinnt: Die Soda beispielsweise kommt aus Rheinberg oder Bernburg. Im Kristallisationsverfahren werden Soda, H2O2 und eine hochkonzentrierte Salzlösung in einem gekühlten Behälter verrührt. Dabei setzen sich die winzigen Kristalle, die weniger als einen Millimeter Durchmesser haben, auf dem Boden des Behälters ab. In einer Zentrifuge wird die noch wässrige Lösung geschleudert. Als Mutterlauge wird die zentrifugierte Flüssigkeit wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt und für die Kristallisation eingesetzt. Zurück bleiben die Partikel, die anschließend getrocknet werden. Um die Stabilität des Percarbonat gegenüber den anderen Bestandteilen im Waschpulver zu verbessern, erhalten die Kristalle eine Schutzschicht.

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Produktionsprozess von Bariumcarbonat

Für Baustoffe und Ziegel

Bad-Hoenningen-Bricks

Bariumcarbonat ist eines der Hauptprodukte des Solvay-Werks in Bad Hönningen. Es wird vor allem in der Baustoff- und Ziegelindustrie eingesetzt. 

Für die Herstellung werden die Rohstoffe Petrolkoks sowie das Mineral Schwerspat zunächst im Drehrohrofen bei rund 1.000 Grad Celsius erhitzt. Dabei werden die wasserunlöslichen Rohstoffe zu wasserlöslichen umgewandelt. Das Zwischenprodukt wird im Rührwerk in Wasser gelöst; dabei werden die unlöslichen Bestandteile abgetrennt. Es entsteht eine klare Lösung, die in der Karbonisation mit Kohlendioxid, das aus den örtlichen Thermalquellen gewonnen wird, vermischt wird. Dabei entstehen die Carbonate. 

Als Nebenprodukt entsteht Schwefel, der als so genannter Mahlschwefel hauptsächlich für die Herstellung von Autoreifen eingesetzt wird. Die Carbonate werden per Zentrifuge entwässert. Die dabei entstehende Paste wird zu Granulat oder Pulver weiterverarbeitet. In Silos wird das Bariumcarbonat zwischengelagert und für den Versand per Lkw vorbereitet.

Bad-Hoenningen-Produktionsschema-Bariumcarbonat