Gelebtes Miteinander

Bad Hönningen am Rhein

Solvay setzt auf ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft. Beispiele sind regelmäßige Tage der offenen Tür, eigenen Nachbarschaftszeitungen oder auch eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Gemeinsame Übungen von Werkfeuerwehr und den Wehren den Verbandsgemeinden sowie auch Schulpatenschaft.

Patenschaft mit Römerwallschule Rheinbrohl

Die Förderung talentierter Nachwuchskräfte in den Naturwissenschaften und die Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten haben bei Solvay Tradition. Daher hat das Werk in Bad Hönningen seit April 2010 eine Patenschaft mit der Realschule plus in Rheinbrohl. Die Patenschaft ist eine Möglichkeit noch gezielter auf Schüler zu zu gehen und ihnen Hilfestellungen für die zukünftige Berufswahl zu geben.

Durch die Kooperation lassen sich gemeinsame Aktivitäten wie Betriebsbesichtigungen, Vorstellung des Unternehmens und der Ausbildungsberufe sowie Praktika besser planen und umsetzen. Außerdem fördert Solvay mit Materialien und Geräten den naturwissenschaftlichen Unterricht.

Unterstützt wird die Kooperation von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz in Zusammenarbeit mit dem regionalen Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Linz.

Staubemissionen auf niedrigem Niveau
Bad hoenningen Staub_Platte reinigen

Solvays Staubemissionen be­wegen sich seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. „2013 gab es nur eine Beschwerde“, sagt Manfred Stirner, Leiter Umweltschutz und Sicherheit im Solvay-Werk in Bad Hönningen. Doch trotz moderner Filtersysteme und täglicher Kontrollen könne es leider vorkommen, dass Staub freigesetzt werde. Das zeigen auch aktuelle Zahlen: Bis April dieses Jahres haben sich zwei Anwohner bei Solvay gemeldet. Ursache war ein undichter Filter in der Abluftreinigungsanlage. „Wir nehmen jeden Hinweis unserer Nachbarn ernst und nehmen so schnell wie möglich Proben“, betont Stirner.

Dabei hat sich das seit ­April 1998 eingeführte Kontrollnetz bewährt. In einem Umkreis von etwa 1,5 Kilometern rund um das Werk hat Solvay in neun Gärten 30x30 Zentimeter große schwarze Platten platziert. „Die feinen weißen Staubpartikel sind darauf gut zu erkennen“, sagt Stirner. Einmal wöchentlich macht ­Solvay-Mitarbeiter Uwe Orth seine Runde und kontrolliert die Platten. Für Langzeitmessungen setzt Solvay Staubgefäße ein, die alle drei Monate ausgewertet werden. Hinzu kommen Differenzdruckmessungen an den Filteranlagen, regelmäßige Prüfungen aller Emissionsquellen im Werk sowie Kontrollen durch unabhängige Institute wie dem TÜV Rheinland. Der jüngste Ausreißer sei bedauerlich, sagt Stirner, ändere aber nichts an der Tatsache, dass Solvays Anteil an den Staubniederschlägen über die Jahre kontinuierlich abgenommen habe.

Werksilhouette: Rauchgasentschwefelung
Bad-Hoenningen-Rauchgasentschwefelung-Werk-Silhouette

Genau 81 Meter reckt er sich dem Himmel entgegen. Der markante Kamin prägt die Silhouette des Solvay-Werks. Er ist der sichtbare Teil der Rauchgasentschwefelungsanlage (REA), die 1996 in Betrieb genommen wurde.

In einem Wäscher wird Schwefeldioxid (SO2) aus den Rauchgasen in Gips umgewandelt. Die gereinigten Abgase verlassen die REA dann fast ausschließlich als Wasserdampf.

Rund zehn Millionen Euro hat Solvay Mitte der 1990er Jahre in den Bau der REA investiert. Der nachhaltige Effekt: Die Emissionen an Schwefeldioxid sanken um 98 Prozent. Mit weiteren Maßnahmen konnte Solvay die Luftqualität weiter verbessern und die SO2-Emissionen nochmals um 60 Prozent reduzieren. Auch der mitunter unangenehme Geruch ist durch die REA merklich schwächer geworden, ganz vermeiden kann man ihn allerdings nicht. Solvay hält alle Auflagen der Behörde konsequent ein. Die Geruchsschwelle des Schwefeldioxids ist allerdings so niedrig, dass trotz Einhaltung der Grenzwerte zeitweise ein Geruch wahrnehmbar sein kann. Diese geringen SO2-Emissionen sind kein gesundheitliches Risiko. Automatische Kontroll- und Messeinrichtungen prüfen kontinuierlich die Abgase und stellen Abweichungen sofort fest.

Zet-Horn-Tests: Samstags 12 Uhr

Was ist zu tun?

Bad-Hoenningen-Zet-Horn

Jeden Samstag um 12 Uhr ertönt das Zet-Horn. Es handelt sich dabei um einen Test. Bei einer Betriebsstörung wird der Alarm ausgelöst, wenn Gefahr für die Nachbarschaft bestehen könnte, zum Beispiel durch einen Gasaustritt innerhalb des Werkes.

Das Zet-Horn klingt wie ein Schiffshorn. Sollten Sie diesen tiefen Ton fünfmal in Folge hören, gelten folgende Regelungen:

  • Gebäude bieten Schutz. Bleiben Sie im Haus bzw. gehen Sie in ein Haus. Schließen Sie Fenster und Türen und halten Sie sich möglichst in oberen Stockwerken auf.
  • Rufen Sie Kinder ins Haus und helfen Sie älteren oder behinderten Menschen ins Gebäude. Verständigen Sie Ihre Nachbarn.
  • Ggf. vorhandene Lüftungsanlagen im Haus abschalten.

Leisten Sie den Weisungen der Polizei, Feuerwehr oder sonstiger Einsatzkräfte unbedingt Folge.

Hafen in Rheinbrohl

Drehscheibe der Werklogistik

Bad Hönningen Hafen

„Ohne Hafen, kein Werk.“ ­Josef Kick, bei Solvay zuständig für die Rohstofflogistik, bringt’s auf den Punkt. Neben den ­CO2-Quellen in Bad Hönningen und Bad Breisig war die Nähe zum Rhein ausschlaggebend dafür, die Chemie­produktion Ende des 19. Jahrhunderts hier aufzubauen. An seiner Bedeutung hat sich bis heute nichts geändert. Der Fluss ist die Lebens­ader, der Anleger eine wichtige Drehscheibe der Werk­logistik.

Rohstoffe wie Petrolkoks, Coelestin (Strontiumsulfat) und Schwerspat (Bariumsulfat) werden hier entladen, Produktionsrückstände wie Gips auf die Reise geschickt. 1902 legte das erste Rheinschiff in Rheinbrohl an. Heute sind es in Spitzenzeiten an die 100 Schiffe pro Jahr. Gesamtumschlag: Etwa 200.000 Tonnen. „140 Meter lange Schiffe, die bis zu 4.500 Tonnen Ladung mit sich führen, können hier anlegen“, sagt Kick. Die trockenen Schüttgüter kommen aus Spanien, Bulgarien, China und den USA, über die Umschlagplätze in Rotterdam und Gent nach Rheinbrohl. Pluspunkt für die Umwelt: Diese Rohstoffe werden ausschließlich per Binnenschiff und nicht per Lkw transportiert. Mehr als 70 Prozent der festen Rohstoffe für das Werk werden über den Hafen in Rheinbrohl umgeschlagen. 

Solvay ist Eigentümer des kleinen Hafens. Das Logistikunternehmen Loth aus Bad Hönningen kümmert sich um die Be- und Entladung der Schiffe und mit seiner „grünen Flotte“ auch um den Transport der Rohstoffe ins zwei Kilometer entfernte Werk. Die Logistik ist eingespielt, der Umschlag und Weitertransport exakt getaktet. Je nach Fracht sind zwei bis drei Mitarbeiter vor Ort, fahren den Hafenkran und den Bagger. Eine durchschnittliche Schiffsladung von etwa 2.500 Tonnen ist an einem Tag gelöscht. „Der Hafen ist vor allem eine Durchgangsstation, gelegentlich wird er auch als Zwischenlager genutzt“, sagt Kick.

Nahezu täglich pendeln Lkw zwischen Hafen und Werk. Rund 8.000 Transporte sind es jedes Jahr. Für die Anwohner ist der Verkehr, der auf einem kurzen Stück durch ein Wohngebiet geführt wird, mitunter eine Belastung. „An warmen Tagen staubt es, besonders dann, wenn die Rohstoffe sehr trocken sind“, sagt Kick. „Den Lkw-Verkehr können wir zwar nicht verringern und die Route nicht ändern, aber die Staubentwicklung hat Loth mittlerweile deutlich reduziert.“ Die Kipper sind seit kurzem mit elektrischen Planen ausgestattet, mit denen die Auflieger geschlossen werden. 

Mehr Rohstoffe und mehr Lkw-Fahrten bedeuten aber auch eine hohe Auslastung der Produktion – und damit Stabilität und Standortsicherheit. Der Rheinanleger ist und bleibt somit eine Lebensgrundlage fürs Werk.

Natürliche Kohlensäure – für Mineralwasser, Thermen und Carbonate
Bad-Hoenningen-Ariel-View

Kohlensäure-Quellen in Bad Hönningen und Bad Breisig liefern nicht nur Mineralwasser für Getränke und Thermalwasser für Thermen, sondern auch Kohlendioxid für Barium- und Strontiumcarbonat.

Die natürlichen Vorkommen veranlassten 1890 den Neuwieder Chemiker Walther Feld, das heutige Solvay-Werk in Bad Hönningen zu gründen.

Solvay gewinnt das benötigte Kohlendioxid heute aus fünf Thermalquellen: der Deutschlandquelle und der Hönninger Quelle in Bad Hönningen sowie der Marien-, Geyr und Ludgerusquelle in Bad Breisig. 

An den Quellen tritt das Wasser ohne künstliche Krafteinwirkung zu Tage, kann also ganz ohne Pumpen gefördert werden. In einem Verrieselungsturm plätschert das Wasser zunächst über mehrere horizontale Bleche. Dabei entweicht die Kohlensäure als Kohlendioxid (CO2), das per Rohrleitung ins Werk gelangt. Das verbleibende mineralhaltige, warme Thermalwasser versorgt die Thermen in Bad Hönningen und Bad Breisig. Überschüssiges Quellwasser fließt in den Rhein. 

Kohlendioxid und Sicherheit

Kohlendioxid (CO2) ist ein geruchloses, unsichtbares Gas und natürlicher Bestandteil der Luft. In sehr niedrigen Konzentrationen ist es harmlos, jedoch kann es bei hohen Konzentrationen Sauerstoff verdrängen und zum Ersticken führen.

Bei Transport und Handhabung von CO2 ist Sicherheit daher oberste Priorität. Im Interesse von Solvay, der Nachbarn und auf Grund behördlicher Vorgaben wird das komplette Leitungssystem nach einem festgelegten Zeitplan kontrolliert. Die Wasserrohre und Kanäle werden dazu mit Kameras überprüft. Die CO2-Rohrleitungen werden regelmäßig durch Druck- und Dichtigkeitsprüfungen kontrolliert. Darüber hinaus werden die Leitungen während des Betriebs mit Druck- und Durchflussmessungen überwacht.

Bad-Hoenningen-Kohlensaeurequellen


Barium- und Strontium carbonat

Kohlendioxid ist ein wichtiger Rohstoff für Strontium- und Bariumcarbonat. Beide Produkte werden überwiegend zur Herstellung von speziellen Glas- und Keramikprodukten verwendet. Im Bereich Bildschirmglas ist die heutige Anwendung hauptsächlich bei den „flachen“ Plasma- und LCD-Geräten zu sehen, die klassische Bildröhre hat ihre Bedeutung verloren. Bei Ziegeln und Klinkern verhindert der Zusatz von Bariumcarbonat unansehnliche Sulfatausblühungen und erhöht deren Witterungsbeständigkeit. Beide Produkte werden für Elektromag neten benötigt, die u. a. in Gleichstrommotoren in Autos und Waschmaschinen antreiben. In Feuerwerkskörpern sorgt Barium für die Farbe grün, Strontium für rot.

Studentin entwickelt Verfahren für die Entsorgung von Produktionsrückständen
Bad-Hoenningen-Deponie

Barium- und Strontiumcarbonat sind zwei wichtige Produkte des Solvay-Werks. Bei ihrer Herstellung fallen mineralische Rückstände an, die Solvay nicht verwerten kann. Sie werden hauptsächlich auf der werkeigenen Deponie gelagert.

(Foto: Begrenzte Kapazität: Auf der werkeigenen Deponie kann Solvay mineralische Produktionsrückstände nur noch wenige Jahre lagern.)

Für Natur, Umwelt und Gesundheit sind diese Stoffe unbedenklich. Das Problem: „Die Kapazität unserer Deponie ist begrenzt. In ein paar Jahren ist Schluss. Wir suchen daher nach Alternativen für die Entsorgung der Rückstände“, sagt
Chemiker Dr. Ferdinand Hardinghaus. Im Falle von Strontiumcarbonat ist die Lösung einfach: Der anfallende schwarze
Schlamm wird verpresst und als sogenannter Filterkuchen schon jetzt auf externen Deponien gelagert. Bei Rückständen aus der Bariumcarbonatherstellung sieht das anders aus: „Übrig bleibt ebenfalls ein schwarzer Schlamm, der aber für den
Lkw-Transport zu flüssig ist; verpresst wird er extrem heiß, er glüht und erzeugt enorme Dampfwolken“, sagt Dr. Hardinghaus. Der Grund liegt im speziellen Rohstoffmix.

Eine Lösung lieferte im vergangenen Jahr eine Studentin. Die angehende Chemie-Ingenieurin Sarah Levrey verbrachte
mehrere Monate im Hönninger Labor. In ihrer Masterarbeit entwickelte die Französin zwei neue Varianten des bestehenden Verfahrens. In der ersten wird die Zusammensetzung der Rohstoffe verändert. Bei der zweiten wird die Filtration so verändert, dass die Rückstände aus der Bariumcarbonatherstellung weniger stark entwässert werden. Der Filterkuchen wird in beiden Fällen nicht mehr heiß und kann sicher transportiert werden. „Dank ihrer Arbeit haben wir ein nachhaltiges und wirtschaftliches Konzept in der Hand, mit dem wir einen großen Schritt weiterkommen können“, freut sich Dr. Hardinghaus. Versuche im industriellen Maßstab müssen nun zeigen, ob diese Möglichkeiten auch in der Praxis funktionieren.