Die Solvay-Gruppe hat ein Abkommen unterzeichnet, das für all ihre Mitarbeiter weltweit die Einhaltung der sozialen Grundrechte und Arbeitsrechte sicherstellt. Das Abkommen ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Gruppe kontinuierlich für einen offenen und transparenten sozialen Dialog einsetzt, der beim Umbau von Solvay eine zentrale Rolle spielt. 

Sozialer Dialog ist eine Chance, kein Risiko.“ Dieses Zitat von Solvay-CEO Jean-Pierre Clamadieu bringt auf den Punkt, wie das Unternehmen den Dialog mit seinen Mitarbeitern wertet. „Das ist ein politisches Signal“, sagt Jean-Christophe Sciberras, Leiter Industrial Relations bei Solvay. „Für uns ist der soziale Dialog etwas Positives: Er hilft uns, als Unternehmen besser zu werden. Dass wir hier Vorreiter sind, ist somit keine Überraschung.“  

Echtes Engagement

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Solvay pflegt seit einem Jahrzehnt Beziehungen zu IndustriALL Global Union, der weltweit aktiven Dachgewerkschaft, die die Rechte von Arbeitnehmern der Branchen Chemie, Energie, Bergbau und verarbeitende Industrie vertritt. „Von Anfang an haben unsere jeweiligen Organisationen dieser Beziehung höchsten Respekt gezollt“, sagt Kemal Özkan, Stellvertretender Generalsekretär von IndustriALL Global Union. „Beide Organisationen haben seit unserem ersten gemeinsamen Abkommen Zusammenschlüsse durchlebt. Alle Beteiligten sollten Anerkennung dafür bekommen, dass sie diese positive Beziehung aufrechterhalten und ausgebaut haben.“
 
Im Februar 2017 hat die Solvay-Gruppe mit Verlängerung ihres weltweiten Abkommens (GFA) mit IndustriALL die Zusammenarbeit weiter gestärkt und ihr Bekenntnis zur Einhaltung der sozialen Grundrechte und Arbeitsrechte für alle Solvay-Mitarbeiter weltweit bekräftigt. Solvay gehört somit zu einem kleinen Kreis von 120 Unternehmen - darunter lediglich zwei weitere Chemieunternehmen -, die ein solches Abkommen unterzeichnet haben. „Das Abkommen ging über die Empfehlungen der IAO (Internationale Arbeitsorganisation) hinaus. Es schließt auch Solvays Verpflichtung ein, die Leitsätze für multinationale Unternehmen der OECD einzuhalten“, ergänzt Kemal Özkan. „Darüber hinaus erwartet Solvay auch von seinen Lieferanten und Partnerfirmen, dass sie diese Prinzipien einhalten. Das Abkommen bezieht zudem neue soziale Projekte ein, wie den Schutz der geistigen Gesundheit am Arbeitsplatz, Maßnahmen zur Stärkung von Solvays bestehenden Verpflichtungen zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie zu Nicht-Diskriminierung, Vielfalt und Umweltschutz.“

Audits vor Ort

Solvays Verpflichtung ragt heraus: Sie umfasst auch Audits vor Ort, bei denen Vertreter von IndustriALL, Solvay-Unternehmensleitung und Mitarbeitern gemeinsam Produktionsstandorte  besuchen. „Die Audits finden jedes Jahr in einem anderen Land statt“, sagt Albert Kruft, Koordinator des Solvay Global Forum, Solvays Mitarbeitervertretungs-Gremium. „Wir überprüfen, ob das Abkommen umgesetzt wird: Wissen die Mitarbeiter, dass sie das Recht haben, einer Gewerkschaft beizutreten, werden die Empfehlungen der IAO und der OECD gewissenhaft befolgt? etc. Zweck dieser Besuche ist es, einen sozialen Dialog vor Ort zu ermöglichen, mögliche Probleme zu ermitteln und die Mitarbeiter zu ermutigen, sich wenn nötig zu Wort zu melden. „IndustriALL überprüft, ob der soziale Dialog und der Dialog mit den Gewerkschaften bei Solvay offen und frei ist“, sagt Jean-Christophe Sciberras.  „Bei den Besuchen stoßen wir vielleicht auf Probleme, von denen wir bislang nichts wussten. Manchmal taucht auch ein Problem auf, in dem die Mitarbeiter vor Ort kein Problem sehen, das aber einen Verstoß gegen unsere Werte darstellt. Außerdem hilft uns dieser Prozess, Konflikte friedlich beizulegen und Probleme vorausschauend zu erkennen.“ 

Im Anschluss an Standortbesuche in China und Indien folgte im November 2016 ein Besuch in Südkorea. Für 2017 stehen die USA an (IndustriALL und die Unternehmensleitung von Solvay wählen gemeinsam den zu besuchenden Standort aus). „Die Atmosphäre war sehr kooperativ und konstruktiv“, sagt In-Sang Lee, Country HR-Manager von Solvay in Südkorea. Es ging nicht darum, Kritik zu äußern, sondern darum, die korrekte Umsetzung des IndustriALL-Abkommens zu überwachen und Empfehlungen zu geben, die eine Win-Win-Situation herbeiführen können. „Wenn alle sich ermutigt fühlen, Probleme offen anzusprechen, kann das für das ganze Unternehmen nur von Nutzen sein.“ Valter Sanchez, Generalsekretär IndustriALL bestätigt: „Wir können Konflikte nicht verhindern, aber einen Prozess einrichten, um diese Probleme im Dialog zu lösen und eine Situation herstellen, in der das Unternehmen Erfolg hat und die Mitarbeiter von besseren Arbeitsbedingungen profitieren.“

Solvay ist der Ansicht, dass Mitarbeiter zufriedener sind, wenn statt Top-Down-Richtlinien echte Transparenz mit der Basis gelebt wird. Das kann für das Gedeihen des Unternehmens nur förderlich sein. Dazu gehört aber auch, dass kritisches Hinterfragen akzeptiert wird: durch Mitarbeiter und durch die Gewerkschaften, aber auch durch eine größere externe Organisation wie IndustriALL. „Unsere Social Relations-Politik ist ganz einfach: Wir müssen in der Lage sein, mit unabhängigen Gewerkschaften zu diskutieren, um ein konstruktives, kritisch hinterfragendes Modell aufzubauen“, sagt Jean-Christophe Sciberras. „Wir führen solide Diskussionen und durch unsere kritischen Fragen weiß die Solvay-Gruppe, dass wir ihr Tun unter die Lupe nehmen“, bestätigt Kemal Özkan. 

Interne Dialoginstanz

Die Bereitschaft, hinterfragt zu werden und den Bottom-up-Dialog zu strukturieren, hat 2015 intern zur Gründung des Solvay Global Forum geführt. Nach einer Erprobungsphase wurde im Juni 2017 ein offizieller Vertrag unterzeichnet. Das Gremium besteht aus acht Mitarbeitervertretern aller Regionen, in denen die Gruppe vertreten ist (Europa, Asien, Nord- und Südamerika). Seine Rolle: ein zusätzlicher Kommunikationskanal für Mitarbeiter zu sein (neben deren lokalen Gewerkschaften) und die Unternehmensleitung über die Ist-Situation vor Ort zu informieren. „Andere Unternehmen mit Rahmenvereinbarungen haben keine Instanz, die kontrolliert, ob diese Vereinbarungen wirklich funktionieren oder nicht“, sagt Albert Kruft. „Das Exekutivkomitee erwartet von uns, dass wir ihm sagen, wie die Mitarbeiter über Solvays Politik denken.“
 
Das lässt sich mit einer Familie vergleichen. Kann man sich in ihr offen und frei äußern, ändert das alles. Für ein großes Unternehmen sind die Ergebnisse in vielerlei Hinsicht greifbar - vom allgemeinen Betriebsklima, über höhere Produktivität bis hin zu einem dauerhaft positiven Image, sowohl intern als auch extern. Das aber bedeutet Arbeit. „Für ein Unternehmen, das so groß ist wie Solvay, ist es nicht einfach, sicherzustellen, dass die Verpflichtung zur Einhaltung der Arbeitsrechte in jedem Werk und jeder Anlage umgesetzt wird“, betont Kemal Özkan. „Daran muss man laufend arbeiten, und alle beteiligten Parteien müssen sich umfassend dafür einsetzen.“


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