Hafen in Rheinbrohl

Drehscheibe der Werklogistik

Bad Hönningen HafenClick to enlarge

„Ohne Hafen, kein Werk.“ ­Josef Kick, bei Solvay zuständig für die Rohstofflogistik, bringt’s auf den Punkt. Neben den ­CO2-Quellen in Bad Hönningen und Bad Breisig war die Nähe zum Rhein ausschlaggebend dafür, die Chemie­produktion Ende des 19. Jahrhunderts hier aufzubauen. An seiner Bedeutung hat sich bis heute nichts geändert. Der Fluss ist die Lebens­ader; der Anleger eine wichtige Drehscheibe der Werk­logistik.

Rohstoffe wie Petrolkoks, -Coelestin (Strontiumsulfat) und Schwerspat (Bariumsulfat) werden hier entladen, Produktionsrückstände wie Gips auf die Reise geschickt. 1902 legte das erste Rheinschiff in Rheinbrohl an. Heute sind es in Spitzenzeiten an die 100 Schiffe pro Jahr. Gesamtumschlag: Etwa 200.000 Tonnen. „140 Meter lange Schiffe, die bis zu 4.500 Tonnen Ladung mit sich führen, können hier anlegen“, sagt Kick. Die trockenen Schüttgüter kommen aus Spanien, Bulgarien, China und den USA, über die Umschlagplätze in Rotterdam und Gent nach Rheinbrohl. Pluspunkt für die Umwelt: Diese Rohstoffe werden ausschließlich per Binnenschiff und nicht per Lkw transportiert. Mehr als 70 Prozent der festen Rohstoffe für das Werk werden über den Hafen in Rheinbrohl umgeschlagen. 

Solvay ist Eigentümer des kleinen Hafens. Das Logistik-unternehmen Loth aus Bad Hönningen kümmert sich um die Be- und Entladung der Schiffe und mit seiner „grünen Flotte“ auch um den Transport der Rohstoffe ins zwei Kilometer entfernte Werk. Die Logistik ist eingespielt, der Umschlag und Weitertransport exakt getaktet. Je nach Fracht sind zwei bis drei Mitarbeiter vor Ort, fahren den Hafenkran und den Bagger. Eine durchschnittliche Schiffsladung von etwa 2.500 Tonnen ist an einem Tag gelöscht. „Der Hafen ist vor allem eine Durchgangsstation; gelegentlich wird er auch als Zwischenlager genutzt“, sagt Kick.

Nahezu täglich pendeln Lkw zwischen Hafen und Werk. Rund 8.000 Transporte sind es jedes Jahr. Für die Anwohner ist der Verkehr, der auf einem kurzen Stück durch ein Wohngebiet geführt wird, mitunter eine Belastung. „An warmen Tagen staubt es, besonders dann, wenn die Rohstoffe sehr trocken sind“, sagt Kick. „Den Lkw-Verkehr können wir zwar nicht verringern und die Route nicht ändern, aber die Staubentwicklung hat Loth mittlerweile deutlich reduziert.“ Die Kipper sind seit kurzem mit elektrischen Planen ausgestattet, mit denen die Auflieger geschlossen werden. 

Mehr Rohstoffe und mehr Lkw-Fahrten bedeuten aber auch eine hohe Auslastung der Produktion – und damit Stabilität und Standortsicherheit. Der Rheinanleger ist und bleibt somit eine Lebensgrundlage fürs Werk.