Neue Heimat für seltene Knoblauchkröte

Sie hat sich rar gemacht im Münsterland und steht mittlerweile auf der „Roten Liste“ für bedrohte Tierarten.

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Jetzt bekommt die Knoblauchkröte eine Chance, auch in der Region wieder heimisch zu werden. 

Rund 360 Kröten wurden Sommer 2011 im neu angelegten Laichgebiet in Luchtbüld angesiedelt. Sie sind das Ergebnis eines Aufzuchtprogramms, das die SGW und die Biologische Station Zwillbrock gemeinsam initiiert und durchgeführt haben.

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Für Naturschützer ist es eine kleine Sensation. Seit Ende Juni 2011 bevölkern rund 360 Knoblauchkröten die Weideflächen Luchtbüld. In Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Zwillbrock hat die SGW auf einer Fläche von rund 10 Hektar neue Laichbiotope für die selten gewordenen Amphibien angelegt und ehemals intensiv bewirtschaftete Ackerflächen umgestaltet. Das Netz aus alten und neuen Tümpeln ist eine Kompensationsmaßnahme. Mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von etwa 1,50 Meter, einer vegetationsreichen Uferzone und flachen Sanddünen bietet das Gebiet nun einen optimalen Lebensraum für die vor dem Aussterben bedrohten Kröten.
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Als Ursprung der jungen Population diente ein Laichgewässer in der Nähe von Münster. Im Frühjahr 2011 wurden Laichschnüre von dort nach Epe gebracht und aufgezogen. „Das Projekt ist ein außergewöhnliches Beispiel dafür, dass wir mit Kompensationsmaßnahmen unmittelbar auch zur Art erhaltung beitragen können“, sagt Georg Hengst, bei der SGW verantwortlich für Umweltschutz und Genehmigungen. „Auch dass Naturund Umweltschützer, Wissenschaftler und Ingenieure bei der Wiedereingliederung einer seltenen Tierart so eng zusammengearbeitet und an einem Strang gezogen haben, ist etwas Besonderes.“ Die Chance, dass sich die Knoblauchkröte in ihrem neuen Lebensraum durchsetzen und vermehren kann, ist nach Ansicht der Wissenschaftler hoch. „Der Bestand ist groß genug und die Laichgewässer bieten gute Bedingungen für den Fortbestand der Kröte“, sagt der Biologe Thomas Mutz, der das Aufzuchtprogramm wissenschaftlich begleitet hat. Doch ob sich die Kröten langfristig ansiedeln werden, können die Fachleute erst in etwa zwei Jahren beurteilen. Denn dann sind die Kröten geschlechtsreif und können sich aus eigener Kraft fortpflanzen. Bis dahin wird Mutz ein wachsames Auge auf den Bestand haben.

Stichwort Knoblauchkröte

Die Knoblauchkröte ist ein Froschlurch. Die Männchen erreichen eine Körperlänge von sechs Zentimeter, die Weibchen werden bis zu acht Zentimeter lang. Die Knoblauchkröte ist vor allem im Tiefland Mittel- und Osteuropas zuhause. In Deutschland ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen verbreitet. Ihren Namen verdankt sie einem Sekret, das sie absondert, wenn sie sich bedroht fühlt oder Feinde abwehrt. Der Geruch erinnert an Knoblauch, ist aber nur schwach wahrnehmbar. Mit ihren scharfkantigen, verhornten Auswüchsen an den Fußsohlen kann sie sich schnell in lockeren Boden eingraben.