Bergsenkungen

Kavernensolung: Langsame und gleichmäßige Senkungen

Click to enlarge
Beim Salzabbau senkt sich das Erdreich an der Oberfläche langsam, gleichmäßig und großflächig. Ein Grund dafür ist das Abbauverfahren. 

Beim Solen entstehen künstliche Hohlräume: die Kavernen. In einer Tiefe von 1.000 bis 1.400 Metern sind bei Epe seit 1972 rund 100 dieser Kavernen entstanden. Sie sind im Schnitt 200 Meter hoch und haben einen Durchmesser von etwa 80 Metern. Sie sind immer mit Sole, Gas oder Öl gefüllt, um den den Gebirgsdruck entgegen zu wirken. Zwischen den Kavernen verbleiben bis zu 300 Meter breite Pfeiler, die den Druck der darüber liegenden Gesteinsschichten aufnehmen. Im Laufe von  Jahrzehnten verkleinern sich die Kavernen geringfügig und die Gesteinsschichten geben sehr langsam nach. An der Oberfläche bilden sich flache weitgespannte Senkungsmulden. Gronau und Ahaus liegen außerhalb der Senkungsmulde. Sie endet in den Randbereichen von Epe.

Ahaus-Bergsenkung-Grafik

Kostenfreie Messungen für Bewohner

  Ahaus-Bergsenkung-messungen Click to enlarge
Seit Beginn der Salzgewinnung 1972 vermisst die SGW regelmäßig das Gebiet. Das Messnetz wurde im Laufe der Jahre an die Entwicklung des Kavernenfeldes angepasst. Heute umfasst es rund 850 Beobachtungspunkte und 120 Kilometer Messlinien. Damit werden die Bodenbewegungen in dem rund acht Quadratkilometer großen Gebiet verfolgt. Um Höhenveränderungen an Bauwerken erfassen zu können, hat die SGW zusätzlich Anfang 2015 auf Wunsch der Besitzer an Privathäusern, Brücken und öffentlichen Gebäuden rund 150 Messbolzen angebracht. Veränderungen werden so über einen langen Zeitraum direkt am Gebäude gemessen und sind für Laien und unabhängige Fachleute nachvollziehbar. Das Setzen der Bolzen sowie die Messungen und Auswertungen sind für Eigentümer kostenlos.

Drei Fragen an Bergbauingenieur Marcus Klaus von der SGW

  Ahaus-Bergsenkung-Klaus Click to enlarge

Herr Klaus, wie wirken sich die Bergsenkungen in der Region aus?


Im Laufe von Jahrzehnten geben die Gesteinsschichten sehr langsam nach und an der Oberfläche bilden sich flache Senkungsmulden. Im Schnitt senkt sich das Erdreich im Zentrum des Abbaugebietes um drei Zentimeter pro Jahr. Die Bodenbewegungen werden aber von der Art und Intensität der Nutzung beeinflusst. Der innere Sole-, Öl-, oder Gasdruck wirkt dem natürlichen Druck des Gebirges entgegen. Je häufiger Kavernen geleert und wieder gefüllt werden, desto höher fällt die Senkungsrate aus. Das Kavernenfeld in Epe hat sich seit Beginn der Solegewinnung 1972 an der tiefsten Stelle um etwa 70 Zentimeter gesenkt. 

Welche Folgen haben die Senkungen für die Häuser, die in dem Gebiet stehen?


Durch die langsamen und gleichmäßigen Bodenbewegungen sind Schäden an Gebäuden eher unwahrscheinlich. Nach unseren Berechnungen und Prognosemodellen entsteht bis zum Jahre 2069 vom Rand des Kavernenfeldes bis zum Zentrum ein maximales Gefälle von 0,08 Prozent. Das heißt: eine Schieflage von 0,8 mm auf einen Meter Länge ist selbst mit einer sehr guten Wasserwaage nicht zu messen. Die Senkungen werden jährlich ermittelt und bei der Bergbehörde als ‚Risswerk‘ dokumentiert. 

Was raten Sie den Eigentümern, die der Meinung sind, der Salzbergbau trage die Verantwortung für einen Schaden?


Grundsätzlich auszuschließen ist das nicht. Das Problem: Auf den ersten Blick sind Bergschäden von normalen Schäden nicht zu unterscheiden. Risse im Mauerwerk beispielsweise können viele Ursachen haben: fehlende Dehnungsfugen, schwache Fundamente, Alterung, falsche oder schlechte Baumaterialien, Schwankungen im Grundwasser oder die Beschaffenheit des Baugrundes. Die Analyse von Bodenbewegungen und die Beurteilung von Bergschäden erfordern spezielle Kenntnisse. Daher sollten die Eigentümer uns direkt ansprechen und einen Ortstermin vereinbaren. Wir nehmen jeden Fall ernst, begutachten und dokumentieren die Schäden, vergleichen die tatsächlich eingetretenen Bodenbewegungen mit den Schadensbildern. Zu wissen, dass ein Gebäude im Einwirkungsbereich liegt, bedeutet nicht, dass Gebäudeschäden automatisch Bergschäden sind. Das Schadensbild muss auch zu den Bodenbewegungen passen. Erst anhand der Abbausituation, der Messdaten und Berechnungen, kann man feststellen, welchen Einfluss der Salzbergbau tatsächlich hat. Eine fundierte Analyse ist daher unverzichtbar.