Solvay weiht neue Anlage in Bad Wimpfen ein: Synthesebaustein ETFBO für Pflanzenschutzmittel

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Bad Wimpfen, 10. November 2014 - Solvay hat heute eine neue Anlage für den Synthesebaustein ETFBO eingeweiht. Unter den Gästen waren der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall, Bürgermeister Claus Brechter sowie Vertreter von Land und Stadt. 

Die neue Anlage wurde in ein bestehendes Gebäude integriert und hat eine Jahreskapazität von 1.000 Tonnen. Die Entscheidung, 5 Mio. Euro zu investieren, fiel im August letzten Jahres. Nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens wurde im Mai dieses Jahres mit dem Bau begonnen. Im Oktober wurden bereits erste Probemengen hergestellt.

Mit dieser Investition bauen wir unser Angebot an organischen Synthesebausteinen weiter aus“, kommentierte Horst Kröger, Leiter Strategisches Marketing der investierenden Geschäftseinheit Special Chemicals. Seit den 1980er Jahren ist die so genannte CF3-Chemie ein wichtiger Pfeiler des Werks. Damals wurde das Verfahren zur Herstellung von Trifluoracetylchlorid (TFAC) entwickelt; heute ein umsatzstarkes Produkt und Rohstoff für ETFBO. Rasch ergänzten weitere CF3-Produkte das Sortiment. „Bad Wimpfen ist unser wichtigster Standort für diese Fluor-Spezialitäten. Hiesiges Forschungs-Know-how, qualifizierte Mitarbeiter und langjährige Produktionserfahrung sind weltweit einzigartig und ein Wettbewerbsvorteil. Hinzu kommt die Nähe zu Pflanzenschutzmittel-Herstellern als wichtige Kunden.“

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Symbolischer Knopfdruck zum Start der neuen Anlage: Hans-Peter Wickel (Werkleiter), Reinhold Gall (Innenminister), Dr. Andreas Meier (Geschäftsführer SOLVAY GmbH), Claus Brechter (Bürgermeister) und Horst Kröger (Geschäftseinheit Special Chemicals)

Investitionen in Europa nicht mehr leicht – besonderer Grund zur Freude

Investitionen in Europa sind leider selten geworden. Schwächelnde Volkswirtschaften sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise setzen der hiesigen Industrie schwer zu“, sagte Dr. Andreas Meier, Leiter der Geschäftsführung der SOLVAY GmbH. „Wir freuen uns daher umso mehr, dass in diesem Fall eine Investition in Deutschland trotzt der Kostennachteile möglich ist – wegen eines hochwertigen Produktes und der Nähe zu Kunden.“ Es müsse oberste Priorität der Politik sein, das Abwandern weiterer Industriezweige zu verhindern. Das Beispiel der Elektronikindustrie zeige, dass erst Hersteller, dann Zulieferer und schließlich die Maschinenbauer abwandern. „Wir können es uns in Deutschland nicht leisten, diesen Fehler z. B. bei Arzneimittel- oder Autoherstellern zu wiederholen.

 „Die solide und vielfältige Industrie ist ein wesentlicher Eckpfeiler von Wohlstand und Sicherheit in Baden-Württemberg“, bestätigte Reinhold Gall, Innenminister des Landes Baden-Württemberg. „Als Landesregierung tragen wir unseren Teil dazu bei, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Etwa, indem wir den Ausbau schneller Internetverbindungen forcieren, Verkehrswege ausbauen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit zusätzlichen Kitaplätzen verbessern und in Bildung investieren. Zudem sind wir überzeugt, dass eine konsequente Energiewende nicht nur ökologisch richtig, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.“ Dabei gelte es, weder Unternehmen noch Verbraucher zu überfordern.

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Betriebsmeister Matthias Marek in der neuen ETFBO-Anlage

Überlebensrezept Wandel durch Innovation - Werk bald 200 Jahre alt

Unser Werk wurde vor fast 200 Jahren als Saline gegründet. Nur wenige Unternehmen erreichen ein solches Alter“, so Werkleiter Hans-Peter Wickel. „Die damalige Aktivität, Siedesalz durch Eindampfen von Salzwasser zu gewinnen, hat längst keine Marktchancen mehr. Viel preiswerter und in größeren Mengen kann man Salz bergmännisch abbauen.“ Das Beispiel zeige, es gelte frühzeitig veraltete Produkte durch neue zu ersetzen. Solvay habe daher das Werk in Bad Wimpfen in den letzten 30 Jahren konsequent auf Fluor-Spezialitäten ausgerichtet und dabei Produkte wie Kältemittel aufgegeben. „Die heutige Einweihung ist ein weiterer Schritt in der Strategie, innovative Produkte zu etablieren. Wir können stolz sein auf unser einzigartiges Wissen in der anspruchsvollen Fluor-Chemie. Das macht uns so schnell keiner nach.

Einst als Saline Ludwigshall gegründet, ist das heutige Solvay-Werk seit vielen Generationen ein wichtiger Teil der Stadt“, sagte Bürgermeister Claus Brechter. „Ebenso wie die Werksanlagen, gehört eine enge Partnerschaft mit der Stadt dazu. Mit seinem Engagement, z. B. der Schulkooperation mit dem örtlichen Hohenstaufen-Gymnasium, leistet Solvay einen aktiven Beitrag zum Gemeinschaftsleben.“ Eine enge Zusammenarbeit von Stadt- und Werkfeuerwehr erhöhe die Sicherheit der Bürger. Spezialisten der Solvay-Höhenrettung helfen zudem alljährlich bei der Verschönerung der Stadtsilhouette mit der Weihnachtsbeleuchtung. „Wir freuen uns, dass Solvay in Bad Wimpfen investiert. Davon profitieren wir alle.

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Horst Kröger, Innenminister Reinhold Gall, Dr. Andreas Meier und Bürgermeister Claus Brechter

Hintergrund zu ETFBO: Baustein macht Wirkstoffmoleküle wirksamer und schneller abbaubar

Große Wirkstoffmoleküle für Arznei- und Pflanzenschutzmittel werden aus kleinen, so genannten Synthesebausteinen zusammengesetzt. ETFBO (4-Ethoxy-1,1,1-trifluor-3-buten-2-on) ist ein Synthesebaustein, der gleichzeitig Fluor und eine komplizierte Molekülstruktur in Wirkstoffe einbringt.
In Bad Wimpfen wurden zunächst kleine Mengen für Forschungszwecke hergestellt und mit ausgewählten Kunden erfolgreich getestet. Dann wurde ETFBO auf einer Vielzweckanlage im industriellen Maßstab produziert. Der rasch steigende Bedarf ermöglicht nun eine eigenständige ETFBO-Anlage.     
Wirkstoffe mit Fluorbausteinen gelangen leichter in Zellen und ermöglichen eine geringere Dosierung. So lässt sich mit weniger Einsatz die gleiche Wirkung erzielen. Zudem erzeugt ETFBO eine Sollbruchstelle im Molekül, an der zum Beispiel Bodenorganismen angreifen. Dadurch sorgt Fluor dafür, dass das Molekül nach der Anwendung auf dem Feld wieder zerfällt und sich nicht in der Umwelt anreichert. Am Ende des Abbauprozesses entsteht Flussspat (Calciumfluorid) als natürliches Mineral. Fluorhaltige Wirkstoffe gewinnen wegen ihrer Umweltverträglichkeit und höheren Wirksamkeit an Bedeutung. Jeder zweite neue Pflanzenschutz-Wirkstoff enthält Fluor.

Solvay in Bad Wimpfen: Weltweit einzigartiges Know-how in Fluor-Chemie

Bei Solvay in Bad Wimpfen produzieren über 300 Mitarbeiter eine breite Palette von Fluorspezialitäten. Darunter ist etwa das Aluminium-Lötflussmittel NOCOLOK® für Wärmetauscher in Autos, LKW und anderen mobilen oder stationären Anwendungen wie Klimaanlagen. Hinzu gehören auch Synthesebausteine zur Herstellung von Pflanzenschutz- und Arzneimitteln. Fluor ist das chemische Element mit der höchsten Elektronegativität und daher besonders reaktiv. Die Herstellung komplizierter, fluorhaltiger Moleküle erfordert besonders Know-how. Solvay in Bad Wimpfen ist daher weltweit der einzige industrielle Anbieter von ETFBO.



Als internationale Chemiegruppe unterstützt Solvay die Industrie, verantwortliche und Werte schaffende Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Das Unternehmen erzielt 90 Prozent des Umsatzes in Märkten, in denen es weltweit zu den Top 3 gehört. Solvay bedient vielfältige Märkte wie Energie und Umwelt, Automobil und Luftfahrt, Elektro und Elektronik mit dem Ziel, die Leistung der Kunden zu steigern und zu höherer Lebensqualität beizutragen. Die internationale Solvay-Gruppe, mit Hauptsitz in Brüssel, beschäftigt rund 29.400 Mitarbeiter in 56 Ländern und erzielte 2013 einen Umsatz von 9,9 Mrd. Euro.
 
Die deutschen Solvay-Gesellschaften erzielten 2013 rund 1,1 Mrd. Euro Umsatz im In- und Ausland (davon  930 Mio. Euro im Inland; ohne die zum Verkauf bestimmten Vermögenswerte). An zehn Standorten arbeiten in Deutschland rund 3.000 Beschäftigte. Zu den Hauptprodukten zählen Fluor-, Barium- und Strontium-Spezialitäten, Hochleistungskunststoffe, Soda, Natriumbicarbonat, Wasserstoffperoxid sowie Celluloseacetat.