Solvay Prize Ceremony 2015

Solvay fördert traditionell die wissenschaftliche Forschung -  angefangen mit den zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufenen und bis heute stattfindenden renommierten Solvay-Konferenzen bis hin zum Chemistry for the Future Prize unserer Zeit. Aus Liebe zur Wissenschaft, aber auch weil die Gruppe schon früh die Bedeutung von Zusammenarbeit und Austausch erkannte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, bis in die 1960er Jahre wurde es etwas ruhiger um die Solvay-Konferenzen. Im Gespräch war sogar, sie ganz einzustellen. Ernest Solvays Enkel Jacques Solvay belebte sie jedoch neu. Als Vorsitzender der Institute (1958 bis 2010) sorgte er dafür, dass die Konferenzen wieder das akademische Niveau erreichten, das sie vor dem Zweiten Weltkrieg auszeichnete. Konferenzteilnehmer waren namhafte Wissenschaftler wie der russische Physikochemiker Ilya Prigogine (1917 – 2003), der seit 1949 belgischer Staatsbürger war.  Prigogine war mit seiner Arbeit über die Chaostheorie berühmt geworden und wurde 1959 zum Leiter der Institute ernannt. 1977 erhielt er den Nobelpreis.

Auch heute noch laden die Solvay Institutes for Physics and Chemistry alle zwei  Jahre abwechselnd zu einer Physik- bzw. Chemie-Konferenz ein. Die letzte Physikkonferenz war im Oktober 2017.

2010 übernahm Jean-Marie Solvay von Jacques Solvay die Leitung der Institute. Nach wie vor haben diese großen Einfluss innerhalb der Wissenschafts-Community: Der historische Glanz und die großen Namen der ersten Solvay-Konferenz gehören zwar der Vergangenheit an, aber die Qualität der Konferenzen ist nach wie vor unübertroffen,  denn hier kommen auch Nobelpreisträger bzw. -anwärter zusammen. Ben Feringa, ein niederländischer Chemiker und Nobelpreisträger 2016,  nahm beispielsweise an mehreren Konferenzen teil und wurde mit dem Solvay Prize ausgezeichnet. Die Ausschüsse, die die Physik- und Chemie-Konferenz organisieren, sind mit namhaften und weltweit bekannten Wissenschaftlern besetzt und können Thema und Wissenschaftler, die zu diesen Veranstaltungen eingeladen werden, frei wählen.

Professor Ben Feringa
Ben Feringa

A propos Nobelpreis: Es gibt eine interessante Parallele zwischen Alfred Nobel und Ernest Solvay. Beide leiteten in der zweiten Industriellen Revolution ein Chemieunternehmen und beide förderten mit ihrem Privatvermögen die Wissenschaft. Während Nobel jedoch für abgeschlossene Forschungsarbeiten einen Preis verlieh, wollte Ernest Solvay eher die wissenschaftliche Diskussion und wissenschaftliche Fortschritte fördern. „Ernest Solvay förderte die laufende, von Wissensdurst getriebene Forschung. Der Solvay Prize setzt diesen Weg fort“, sagt Richard Thommeret, Leiter Kommunikation Forschung & Innovation bei Solvay. „Auf der Grundlage der Arbeiten der Solvay-Prize-Preisträger geht die Entwicklung weiter.  Solvay zeichnet Wissenschaftler für die potenziellen Auswirkungen ihrer Arbeit aus.

 

Eine Fülle wissenschaftlicher Organisationen

Solvays Engagement für die Wissenschaft beschränkt sich nicht allein auf die Institute. Als beispielsweise 1927 in Belgien die öffentliche Forschungseinrichtung FNRS gegründet wurde, war die Solvay-Familie Hauptsponsor und investierte ein Viertel ihres Gesamtbudgets.

Wenige Jahre zuvor war Ernest Solvay zudem maßgeblich an der Gründung des Internationalen Verbandes der chemischen Gesellschaften (IACS) 1911 in Paris beteiligt. Der IACS firmierte später unter IUPAC (Internationale Union für reine und angewandte Chemie), einer bis heute weltweit wegweisenden Institution für Empfehlungen zu Nomenklatur und Terminologie.

international-association-of-chemical-societies

Wie bei den Konferenzen war Solvays Ziel auch hier, alles zu tun, um den Austausch von Wissenschaftlern unterschiedlicher Nationen untereinander zu fördern, trotz des zunehmend nationalistisch geprägten Gedankenguts in ganz Europa.  „Deshalb beschloss man, die Konferenzen im neutralen Belgien abzuhalten – unter Leitung eines viersprachigen niederländischen Wissenschaftlers“, sagt  Nicolas Coupain, Corporate Heritage Manager. „Das stand in perfektem Einklang mit Ernest Solvays Vision. Er wollte die wissenschaftliche Elite unabhängig von der Nationalität zur Zusammenarbeit ermutigen. Das war eine einzigartige Denkweise, denn bis dahin wurde die Wissenschaft überwiegend unter einer nationalen Perspektive betrachtet.“

 

Vorreiter bei ‘offenen Innovationen‘

Ernest Solvays Vermächtnis lebt weiter – im Unternehmen und in den Solvay-Instituten. Auch wenn beide Organisationen getrennt voneinander tätig sind, so wurden sie doch von ein und demselben Gründer gestaltet und teilen die Leidenschaft für Exzellenz in der Wissenschaft. „Ernest Solvay war davon überzeugt, dass nur Gutes dabei herauskommen kann, wenn man Wissenschaftler zusammenbringt“, sagt Richard Thommeret. „Heute würde man das als „offene Innovationen“ bezeichnen und  diese Geisteshaltung ist auch heute noch im Unternehmen sehr präsent.“

SolvayPrize_Visuel2017

Schirmherrschaft für die Wissenschaft, Unterstützung einer von Wissensdrang getriebenen Forschung, Wissenschaftlern Impulse zu geben und sie dabei ungehindert arbeiten zu lassen – all das hat im 20. Jahrhundert begonnen und dauert bis heute an. Der alle drei Jahre vergebene Solvay Prize for Chemistry for the Future (Preisträger 2017 ist Professor Susumu Kitagawa) und die Art und Weise, wie Forschung und Zusammenarbeit tagtäglich gelebt werden, ist Ausdruck dieser Kontinuität. Oder um es in Ernest Solvays eigenen Worten zu sagen: „Wir haben uns bei unserer Arbeit stets die Pflicht auferlegt, kontinuierlich Fortschritte zu erzielen.