Solvay verstärkt Initiativen, um seine Werke weltweit mit erneuerbarer Energie zu versorgen 

2017 beliefen sich Solvays Treibhausgas-Emissionen insgesamt auf 12,3 Megatonnen – das entspricht etwa den Emissionen einer Großstadt. Aktuelles Zielder Gruppe ist es, diese Menge bis 2025 bei konstantem Unternehmensumfang um eine Megatonne zu verringern. Zwei Drittel der Solvay-Emissionen entfallen auf die von der Gruppe verbrauchte, von Dritten zugekaufte oder eigenproduzierte Energie. Eine wesentliche Möglichkeit, hier aktiv zu werden, ist es, den Energiemix der Gruppe hin zu erneuerbaren Energien oder nicht-fossilen Brennstoffen zu verlagern.

Solvay kann drei Ansätze nutzen, um seine energiebezogenen Emissionen zu senken: Umstellung auf andere Brennstoffe, Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien und natürlich die Steigerung der Energieeffizienz, um den Gesamtverbrauch zu reduzieren. Auf die ersten beiden Ansätze gehen wir im Folgenden ein.

Von fossilen Brennstoffen zu Biomasse

Noch immer verbrennen einige Solvay-Werke Kohle, um die für den Herstellungsprozess benötigte Wärme oder Dampf zu produzieren. Für diese Werke ist angedacht, Kohle durch andere, weniger emissionsintensive Energiequellen zu ersetzen. „Kohle ist nach wie vor Hauptverursacher unserer energiebezogenen Emissionen, gefolgt von Erdgas und Strom“, sagt Alain Michel, Leiter Climate & Energy Transition bei Solvay. „Der Trend geht jedoch eindeutig zu einer Verringerung des Kohle- und Gas-Anteils.“

Fossile Brennstoffe werden in mehreren Fällen nach und nach durch Biomasse ersetzt. Das heißt, es werden Materialien biologischer Herkunft wie Holz oder Landwirtschaftsabfälle verbrannt. In Brasilien beispielsweise betreibt Solvay eine Anlage, die Zuckerrohrrückstände verbrennt, um Dampf für die Zuckermühle vor Ort und Strom zu produzieren, der gegen Vergütung ins Netz eingespeist wird. 

Biomass logs and sprig

„Bei diesem Projekt haben wir viel über Biomasse gelernt“, sagt Michel. Zuerst einmal muss man sehr genau auf die langfristige Verfügbarkeit von Biokraftstoff-Ressourcen schauen. Will man in einen Anlagenbetrieb mit Biomasse investieren, muss man sicher sein, dass in den nächsten 10 bis 20 Jahren eine stabile Brennstoffquelle vor Ort verfügbar ist.

Weitere Beispiele sind das Solvay Werk Dombasle (Frankreich) und das Solvay-Werk in Rheinberg. Hier besteht die Lösung darin, einen Teil der in den Kesseln verbrannten Kohle durch Biomasse zu ersetzen. Dombasle hat einen Partnerschaftsvertrag mit einem Holzvertäfelungs-Hersteller unterzeichnet, der etwa 50 Kilometer vom Werk entfernt angesiedelt ist. „Der Hersteller sammelt Holzstaub und liefert ihn uns in Form von Pellets an“, sagt Michel. „Aber da unseren vorhandenen Kesseln technische Grenzen gesetzt sind, können wir derzeit nicht mehr als 5 bis 10 Prozent Biomasse zuführen. Wir prüfen zurzeit ein Projekt für die Aufstellung neuer Kessel. Damit könnten wir andere Arten von nicht recyclingfähigem Abfall aus Wirtschaftsbetrieben verbrennen, zum Beispiel Schaum aus Matratzen oder bestimmte Kunststofftypen.“

Am chinesischen Standort Zhangjiagangwird derzeit ein neuer Kessel aufgestellt, mit dem die Anlage von Erdgas auf Biomasse umstellen kann. Die CO2-Emissionen reduzieren sich dadurch jährlich um 17.000 Tonnen. Für einige Werke werden aktuell Biogas-Lösungen erforscht, um Erdgas und andere fossile Brennstoffe zu ersetzen.

Solvays französische Chemieplattform Pont-de-Claixwiederum ist über eine Pipeline mit dem Fernwärmenetz von Grenoble verbunden. Im Winter speist Solvay überschüssige Wärme aus dem Werk zum Beheizen der städtischen Gebäude ins Netz ein. Im Sommer hingegen liefert die Stadt überschüssige Wärme für den Betrieb der Solvay-Anlage. „Damit wollen wir Energie optimal nutzen und gleichzeitig einen positiven Kreislauf für erneuerbare Energie schaffen“, sagt Michel über dieses einzigartige System.

Green-Energy-Global-Graphic-DE

 

Mit der Unterzeichnung von Strombezugsverträgen mit Erzeugern erneuerbarer Energie trägt Solvay unmittelbar zu zusätzlichen Ökostromproduktions-Kapazitäten im Netz bei.

Alain Michel, Leiter Climate & Energy Transition bei Solvay

Nachhaltiger, grüner Strom

All diese Beispiele beziehen sich auf Solvays Wärme- und Dampfbedarf. Der zweite Ansatz besteht darin, den Verbrauchsanteil der Gruppe an kohlenstoffhaltiger Energie durch zugekauften oder eigenproduzierten Ökostrom zu erhöhen. 

Die einfachste Lösung ist der Erwerb von RECS-Zertifikaten (Zertifikate für Strom aus erneuerbaren Energien) von Ökostrom-Produzenten. „Diese Lösung ist aber nicht ideal: RECS liefern nicht genügend Informationen über die Herkunft des Stroms, um sicher zu sein, dass die zugekauften Megawatt tatsächlich zur Emissionssenkung beitragen“, sagt Michel. Erwirbt ein Unternehmen RECS von einem seit langem amortisiertem Wasserkraftwerk, kann es zwar einen Herkunftsnachweis für Strom aus erneuerbaren Energie erhalten, leistet aber keinen echten Beitrag zur Bekämpfung der Erderwärmung. 

Vorteilhafter ist eine Partnerschaft mit Erzeugern erneuerbarer Energie über Strombezugsverträge (PPAs). So hat Solvay in Jasper (South Carolina) mit der größten Solarfarm der Regioneinen PPA über 15 Jahre geschlossen. Dieser Vertrag gewährleistet sowohl die nötige Finanzierung des Projekts als auch die Energieversorgung der Solvay-Anlagen in der Region, die auf diese Weise 80.000 Tonnen CO2-Emissionen vermeiden. „Mit der Unterzeichnung derartiger Verträge trägt Solvay unmittelbar zu zusätzlichen Ökostromproduktions-Kapazitäten bei“, sagt Michel. „Das nennt man den Grundsatz der Zusätzlichkeit. Der Grundsatz der Regionalität ist hierbei ebenfalls wichtig: Wir kaufen Ökostrom in einer Region zu, in der Solvay industriell stark vertreten ist und wichtige Kunden hat. Unsere lokalen Anspruchsgruppen können sich direkt auf das Projekt beziehen.“

Mit diesen Grundsätzen im Hinterkopf handelt Solvay derzeit weltweit mehrere PPAs mit Partnern aus, zum Beispiel in den USA, Indien und in Polen, einem Land mit einem kohlenstoffhaltigen Energiemix (hier wird der Strom hauptsächlich aus Kohlekraftwerken bezogen). Der hohe „Grid Emission Factor“ in Polen, also die Emissionsintensität der Stromerzeugung, bedeutet, dass mit Unterzeichnung eines Vertrages mit einem dortigen Ökostromanbieter höhere Emissionssenkungen erzielt werden können als beispielsweise in Frankreich, wo der Strommarkt in viel geringerem Maße auf kohlenstoffhaltigen Energieträgern basiert.“

 

Solarmodule und Windkraftanlagen

Solar panels on roof - shutterstock_18783397

Eine weitere Lösung, um Solvays Abhängigkeit von kohlenstoffhaltigen Energieträgern zu mindern, besteht darin, dass Solvay selbst Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, über Solarmodule auf den Dächern oder sogar mit Windkraftanlagen in Werknähe. Das ist normalerweise der Fall, wenn Partnerschaften mit örtlichen Ökostromerzeugern geschlossen werden: diese kümmern sich um den Aufbau und die Einrichtung und erhalten über den Strombezugsvertrag mit Solvay finanzielle Unterstützung. 

Ein Novecare-Werk in Bangpoo, Thailand, hat bereits derartige Solaranlagen auf den Dächern installiert. Weitere vergleichbare Projekte werden derzeit in Panoli (Indien) und einem Specialty Polymers-Werk in West Deptford (USA) geprüft. „Fließt der Strom direkt von der Solarfarm ins Werk, führt das zu erheblichen Kostensenkungen, da wir das Stromverteilernetz nicht nutzen, ganz zu schweigen von den Vorteilen für Image und Bekanntheitsgrad“, ergänzt Michel. „Allerdings machen die Kapazitäten, die wir auf diese Weise errichten können, nur zwischen 5 und 20 Prozent des Verbrauchs im Werk aus. Grund ist die begrenzte Zahl von Flächen auf unseren Dächern oder in der Nähe unserer Werke.“

Zu guter Letzt arbeitet Solvay derzeit an einem Projekt, das für das Unternehmen ein Novum ist: die Errichtung einer Windfarm in der Nähe einer Specialty Polymers-Anlage in Changshu, China. „Dank dieses Projekts werden wir unsere CO2-Emissionen dort um 26 Prozent senken.“