Solvay-Anlage in den Niederlanden plant „grüne Eigenerzeugung“ 

Das Solvay-Werk im Südosten der Niederlande liegt nur einen Steinwurf von der deutschen und belgischen Grenze entfernt und produziert überwiegend Peroxid-basierte Desinfektionsmittel und Katalysatoren. 1936 errichtet, war das Werk zur Jahrtausendwende zum Teil nicht mehr auf dem neuesten Stand. Durch den Abriss nicht mehr benötigter Gebäude wurde nahe der modernen Anlage eine 60.000 Quadratmeter große Fläche frei, die nach wie vor Solvays Eigentum ist.

Was tun mit diesem großen Areal? Die Teams in Linne Herten wollten zunächst Aktivitäten auf dem Gelände ansiedeln, wie Lager, eine Kunststoff-Recyclinganlage etc. „2017 dachten wir dann an Solarmodule“, sagt Standortleiter Peter Otten. „Das war die perfekte Lösung, um im Einklang mit Solvay ONE Planet Umweltverantwortung zu übernehmen und zur Reduzierung von Solvays Gesamt-Emissionen beizutragen.“

Solar-Farm-Netherlands

 
Umweltgerechte und rentable Stromversorgung 

Aus technischer, rechtlicher und finanzieller Sicht ist der Bau einer Solarfarm ein komplexer Vorgang, der Kompetenzen und Fertigkeiten erfordert, die mit dem Betrieb eines Chemiewerks nicht viel gemein haben. „Wir suchten einen Partner, der auf unserem Gelände die Solarmodule für uns aufbaut und betreibt, denn das ist nicht unser Metier”, sagt Otten mit einem Lächeln.

Die Wahl fiel auf KiesZon, ein niederländisches Solarsystem-Unternehmen. Schritt für Schritt ging es voran: Beantragung und Erhalt der Baugenehmigung, Beantragung von Fördergeldern vom niederländischen Staat, Ausgestaltung langfristiger Pacht- und Stromliefer-Verträge. Anfang 2020 wurden schließlich die ersten der insgesamt 22.300 Solarmodule installiert. Im August wird die 6.500 MWh-Solarfarm in Linne Herten betriebsbereit sein, 40 Prozent des Strombedarfs des Werkes decken und dessen energiebedingte CO2-Emissionen um etwa 17 Prozent reduzieren. 

Das Projekt hat jedoch nicht nur einen Nutzen für die Umwelt, sondern ist auch unter finanziellen Aspekten sinnvoll. Da Solvay die Fläche an KiesZOn verpachtet, ist der zurückgekaufte Strom steuerfrei (da er auf dem Gelände des Verbrauchers erzeugt wird) und der Energietransport entfällt. Letztlich wird das Werk, dadurch dass es nicht den gesamten Strom aus dem Netz zukaufen muss, Geld sparen.

Alles in allem ist die Entscheidung für Solarmodule anstatt für Lager ein voller Erfolg. Doch Otten räumt ein, dass sein Team das alles nicht hätte allein bewältigen können. „Wir haben das Projekt auf den Weg gebracht, wurden dabei aber von der Solvay-Gruppe, der Global Business Unit Peroxides und den Solvay-Teams von Legal und Energy unterstützt. Diese Unterstützung war entscheidend, denn es mussten Pachtverträge und Stromlieferverträge über eine Laufzeit von 15 Jahren aufgesetzt werden!“

Die Errichtung einer Solarfarm war die perfekte Lösung, um Umweltverantwortung zu übernehmen und zur Reduzierung von Solvays Gesamt-Emissionen beizutragen.

Peter Otten, Leiter des Solvay Peroxides-Werks in Linne Herten

Solarstrom aus Nordeuropa

Allerdings fließt lediglich ein Drittel des von der Solarfarm erzeugten Stroms direkt ins Werk. Die restlichen zwei Drittel werden in das allgemeine Stromnetz eingespeist und liefern Strom für die Versorgung von 1.500 Haushalten. Der Grund dafür ist, dass die erzeugte Energie nicht gespeichert werden kann, sondern sofort abgenommen werden muss. An einem sonnigen Tag wird jedoch schlicht und einfach zu viel Strom erzeugt: 33 Prozent der Anlage reichen aus, um den Strombedarf des Werkes zu 100 Prozent zu decken. Im Gegenzug dazu sinkt die Produktion an bewölkten Tagen und bei Nacht. Daher muss das Werk im Jahresverlauf betrachtet nach wie vor 60 Prozent seines Strombedarfs am Markt zukaufen.

Alles in allem sind Solarmodule der neueren Generation jedoch viel effizienter als früher. Deshalb rechnet es sich, Solarfarmen auch in nördlichen Breitengraden, wie in den Niederlanden, zu errichten. Das ist bereits Solvays zweites Solarstrom-Projekt in Europa. Das erste wurde in einem Steinbruch in Walcourt im benachbarten Belgien umgesetzt.