Solvay legt Messlatte für Nachhaltigkeit höher  

Solvay hat auf der UN-Klimakonferenz COP24 im polnischen Kattowitz sein Engagement erneut bekräftigt und wird mit wirksamen nachhaltigen Lösungenden Kampf gegen den Klimawandel energisch fortsetzen.

In den letzten drei Jahren sind Solvays Klimaschutzziele Schritt für Schritt immer ehrgeiziger geworden. Ab 2019 hebt die Gruppe die Messlatte weiter an, um ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken und auf kohlenstoffarme Energie umzusteigen.

Ziel ist es, die Treibhausgas-Emissionen unserer Betriebe in absoluten Zahlen zu senken. Das bedeutet: Wir wollen, dass unser Geschäft nicht auf Kosten unseres Planeten wächst. Unsere Emissionen sollen 2025 um mindestens 1 Mio. Tonnen CO2 unter dem Niveau von 2017 liegen. 

 

Von 2015 bis heute  

Solvay hatte sich in seinem ersten Klimaschutzplan von 2015 verpflichtet, die Treibhausgas-Intensität seiner Betriebe über einen Zeitraum von zehn Jahren um 40 Prozent zu verringern. Diese Verringerung bezieht sich sowohl auf Emissionen, die unmittelbar durch die industriellen Aktivitäten des Unternehmens verursacht werden (so genannte Scope 1-Emissionen) als auch auf Emissionen aus der Erzeugung von Energie, die die Gruppe von Dritten bezieht (Scope 2-Emissionen).

„Schon Anfang 2018 hatten wir 80 Prozent unseres Ziels erreicht“, sagt Philippe Chauveau, Leiter Climate Strategy bei Solvay. „Deshalb begannen wir über ein Ziel nachzudenken, das die Herausforderungen angeht, mit denen unser Planet konfrontiert ist. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir nicht nur die Intensität unserer Emissionen, sondern unsere Emissionen auch in absoluten Zahlen verringern müssen.“

Um die Ursache des Klimawandels, die globale Erderwärmung, einzudämmen, muss die Welt es schaffen, die durch menschliches Handeln verursachten Netto-Emissionen auf Null zu senken. Mit anderen Worten: Die von Menschen verursachten Emissionen müssen reduziert und verbleibende Emissionen durch menschliche Aktivitäten kompensiert werden (zum Beispiel durch Aufforstung oder geologische Speicherung). „Langfristig dürften einige Sektoren ihre Netto-Emissionen auf Null senken, andere hingegen dürften dieses Ziel nicht erreichen. Aber seien wir ehrlich: Kein Sektor kommt darum herum, seine Emissionen in absoluten Zahlen deutlich zu senken“, sagt Chauveau.

 

Geschäftswachstum und Emissionssenkungen entkoppeln  

Die Entscheidung wurde im September 2018 offiziell verkündet: Solvay will seine weltweiten Emissionen bis 2025 jährlich um 1 Million Tonnen CO2 senken. Bezugsjahr ist 2017, ein Jahr, in dem Solvays Emissionen bereits auf historischem Tief waren (12,3 Mio. Tonnen CO2).

„Wir legen für die Messung der Emissionssenkungen einen konstanten Konsolidierungskreis zugrunde“, sagt Michel Washer, Stellvertretender Chief Sustainability Officer bei Solvay. „So können wir das Ergebnis unserer Anstrengungen real messen. Das bedeutet, dass weder verkaufte noch zugekaufte Aktivitäten in die Berechnung einfließen. Gleichzeitig wollen wir in diesem Zeitraum weiterhin Geschäftswachstum erzielen, so dass wir eine Emissionssenkung um real 20 Prozent anstreben.“

Das ist ein ehrgeiziges Ziel, und sicherlich ehrgeiziger als das Ziel, das sich die meisten Unternehmen der Branche und Solvays Wettbewerber gesteckt haben. „Wir gehören zu den Chemieunternehmen, die sich am stärksten engagieren“, bestätigt Washer.

Wie will Solvay das Ziel erreichen? „Wir verfolgen drei Ansätze: Energieeffizienz, Umstellung auf einen kohlenstoffarmen Energie-Mix und Senkung der Prozessemissionen, die unsere Standorte in die Atmosphäre freisetzen“, sagt Chauveau.

Die Steigerung der Energieeffizienz steht bei Solvay schon lange im Fokus. So führt die Gruppe insbesondere über ihr weithin anerkanntes Solwatt®-Programm umfassende Energie-Audits an den Produktionsstandorten durch und ermittelt Verbesserungsmöglichkeiten, um Energie einzusparen und Emissionen zu senken. Diese Maßnahmen sollen auch künftig fortgesetzt werden, um die Ziele zu erfüllen. Dabei setzt Solvay insbesondere auf Digitalisierung. Spezielle Teams in Solvays 2018 gegründetem Excellence Center unterstützen Projekte zur Energieeffizienzsteigerung und sorgen dafür, dass Solvays Global Business Units schnell operative Unterstützung erhalten.

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Die Umstellung auf einen kohlenstoffarmen Energie-Mix beinhaltet sowohl die Beschaffung als auch die Erzeugung nachhaltiger Energien. Die Anlagen der Gruppe produzieren ihre Energie überwiegend selbst. Werke in Frankreich, Deutschland und Brasilien erzeugen seit kurzem zusätzlich Energie aus Biomasse. In anderen Fällen stellen Werke gerade auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen um: Solvay ist Partner eines großen, neuen Solarkraftwerks in South Carolina. Mehrere Anlagen der Gruppe im Süden der USA werden ab Januar 2019 Produkte anbieten, die mit sauberem Strom hergestellt werden, so das Werk von Aroma Performance in Baton Rouge, Louisiana.

Seit zehn Jahren arbeitet Solvay zudem an der Senkung seiner Prozessemissionen (Treibhausgase, die bei den chemischen Reaktionen, die zur Herstellung der Produkte erforderlich sind, freigesetzt werden). Insbesondere hat die Gruppe die Belastung durch Stickstoffdioxid (N2O) - das den größten Anteil an Prozessemissionen ausmacht - um über 95 Prozent gesenkt. „Prozessgase machen weiterhin 35 Prozent unserer Emissionen aus, ein großer Teil sind CO2-freie Gase“, sagt Chauveau. „Es gibt keine Lösungen von der Stange. Jeder einzelne Prozess, der eine Emissionsquelle darstellt, erfordert eine maßgeschneiderte Lösung. Wir setzen unsere Anstrengungen für innovative saubere Technologien fort.

 

Produkte: Ein indirekter Beitrag  

Die Solvay-Gruppe reduziert aber nicht nur die von ihren Anlagen verursachten Emissionen, sondern trägt auch durch die Zusammenarbeit mit Kunden an Lösungen zur CO2-Verringerung zum Erreichen der Klimaschutzziele bei. Ein Beispiel sind gewichtssparende Lösungen für die Automobil- und Luftfahrtindustrie: Leichtere Autos und Flugzeuge verbrauchen weniger Treibstoff und emittieren weniger Treibhausgase. Ein weiteres Beispiel sind Batterien für eine umweltgerechte Mobilität sowie Batterien als stationäre Energiespeichersysteme.

„Wir haben unser Ziel für die Verringerung von Treibhausgasen in diesem Bereich nicht quantifiziert, weil es zu schwierig wäre, dies zu messen“, sagt Chauveau, „aber dafür haben wir unser Sustainable Portfolio Management (SPM)-Instrument. Dank SPM wissen wir, dass 26 Prozent unseres Portfolios unsere Nachhaltigkeitsanforderungen im Hinblick auf Klimaschutz und Energiewende erfüllen. Diese zweite Komponente unserer Maßnahmen ist umfassend in unserer Strategie verankert.

 

Alle engagieren sich  

Um diesen Zielen Nachdruck zu verleihen, koppelt Solvay seit 2017 die langfristigen Anreizsysteme für ihre oberen Führungskräfte an das Erreichen der Treibhausgas-Reduktionsziele der Gruppe. Erfüllt das Unternehmen seine Emissionsreduktionsziele nicht, erhalten die Top-Manager auch nicht ihren vollen Bonus. 

Zusätzlich hat die Gruppe parallel mit der Anpassung ihres Klimaziels im vergangenen September auch das Solvay Way-Programm angepasst. Das übergeordnete Ziel bleibt: Die Gruppe setzt sich dafür ein, ihren Teil für eine lebenswerte Zukunft auf der Erde beizutragen und erwartet dasselbe Engagement von allen ihren Teams.

„Das Klima verändert sich und wird unsere Geschäftsbedingungen verändern. Daher ist vorausschauendes Handeln und die entsprechende Verwendung unserer Mittel entscheidend“, sagt Chauveau. „Wir legen interne Kohlenstoffpreise fest, die unsere Entscheidungen leiten. Zurzeit setzen wir für kurz- und mittelfristige industrielle Investitionen und Kapitalzuweisungen einen Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 für eine Sensitivitätsanalyse all unserer globalen Projekte an. Und wir setzen 75 Euro pro Tonne CO2 an, um die Nachhaltigkeit unserer Lösungen und Geschäftsfelder in unserem Portfolio langfristig nachzuverfolgen.“

„Wir haben unser erstes Klimaschutzziel 2012 festgelegt, es 2015 höher gesteckt und 2018 nochmal angehoben“, fasst Washer zusammen. „Ich bin sicher, dass wir in einigen Jahren das Tempo nochmal anziehen und ein noch anspruchsvolleres Ziel festlegen werden.“