|
Hintergründe zu Grenzwerten
„An der Luftqualität in Bernburg wird sich nichts ändern“
Interview mit Prof. Dr. Ulrich Ewers, Abteilungsleiter Umweltmedizin und Umwelttoxikologie des Hygiene-Instituts des Ruhrgebiets
Welche Bedeutung haben Grenzwerte für Luftschadstoffe?
Grenzwerte für Luftschadstoffe beruhen zumeist auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und sollen Gesundheitsschädigungen durch Luftschadstoffe verhindern und das durch Luftverunreinigungen bedingte Krebsrisiko minimieren. Grenzwerte beinhalten eine „Sicherheitsmarge“. Dies bedeutet, dass auch bei geringfügigen Überschreitungen der Grenzwerte noch keine Gesundheitsschädigungen zu erwarten sind. Wenn Grenzwerte nicht erreicht, sondern deutlich unterschritten werden, sind keine Gesundheitsschädigungen durch Luftverunreinigungen zu erwarten. Durch das geplante Heizkraftwerk wird sich – wie die Immissionsprognosen zeigen – an der Luftqualität in Bernburg nichts ändern. Dies bedeutet, dass vom geplanten Heizkraftwerk keine Gesundheitsgefahren ausgehen werden.
Müllverbrennungsanlagen werden immer wieder mit Dioxinen in Verbindung gebracht, die als besonders giftig gelten. Stimmt das?
Müllverbrennungsanlagen haben früher bedeutsame Mengen Dioxin ausgestoßen. Durch die Verbesserung der Abgasreinigung konnten die Dioxin-Emissionen solcher Anlagen jedoch schon in den 1990er Jahren stark vermindert werden. Um die strengen deutschen Emissionsgrenzwerte für Dioxine einzuhalten, müssen bei Neuanlagen alle dem heutigen Stand der Technik entsprechenden Maßnahmen der Abgasreinigung und der schadstoffarmen Feuerungstechnik eingesetzt werden. Dioxine spielen im Luftstaub, im Staubniederschlag und im Boden im Hinblick auf die Dioxinbelastung des Menschen keine bedeutsame Rolle mehr. Dioxine werden überwiegend mit der Nahrung aufgenommen. Die Dioxinbelastung der Bevölkerung in Deutschland hat in den vergangenen 15 bis 20 Jahren erfreulicherweise stark abgenommen.
|