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Solvay und Tönsmeier planen Investition im Industriepark Bernburg

Bernburg / Porta Westfalica, 5. Dezember 2006. Solvay und das Entsorgungsunternehmen Tönsmeier planen gemeinsam die Errichtung eines Heizkraftwerks im Industriepark Bernburg. Heute wurden die Überlegungen erstmals gegenüber Presse und Politik öffentlich vorgestellt. Morgen werden sie bei einem so genannten „Scoping“ mit Behörden und Umweltverbänden diskutiert. Die Anregungen fließen in den Genehmigungsantrag ein, der voraussichtlich im zweiten Quartal 2007 beim Landesverwaltungsamt in Halle eingereicht wird. Daraufhin beginnt dann das offizielle Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung.

Für die Produktion von Soda und Wasserstoffperoxid benötigt Solvay in Bernburg große Mengen Strom und Dampf. Soda und Wasserstoffperoxid sind unverzichtbare Rohstoffe für Alltagsgüter wie Glas, Papier, Wasch- und Reinigungsmittel. Das heutige Kraftwerk auf dem Solvay-Gelände nutzt ausschließlich Gas. Zukünftig soll die Energieversorgung auf eine breitere und zukunftssichere Basis gestellt werden. Statt Öl, Kohle oder Gas wird das geplante Kraftwerk Ersatzbrennstoffe nutzen.

Ersatzbrennstoffe sind heizwertreiche Abfall-Anteile – dazu gehören etwa Holz, Papier oder Kunststoffe. Sie werden von Tönsmeier unter anderem im sachsen-anhaltinischen Oppin gewonnen: Dazu werden Hausabfälle, Gewerbeabfälle und vorsortierte Baumischabfälle zerkleinert, gesiebt und aufbereitet. Mit moderner Infrarot-Technik werden ungeeignete Stoffe aussortiert. Ein zertifiziertes Qualitätssicherungssystem sorgt für maximale Brennstoffqualität. Das Produkt hat einen ähnlichen Heizwert wie Kohle und kann ohne weitere Bearbeitung energetisch verwertet werden.

Hintergrund der Pläne sind die rasant steigenden Gaspreise und auch die Erfahrungen vom letzten Winter als zeitweise ein Stopp der russischen Gaslieferungen drohte. Energiekosten sind ein Schlüsselfaktor für Produktpreise und damit für die Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt. Ziel ist, sich von fossilen Energieträgern weniger abhängig zu machen. Ersatzbrennstoffe sind nach Einschätzung von Solvay und Tönsmeier ein Nebenprodukt unserer Volkswirtschaft und als regionaler Energieträger langfristig gesichert.

Das geplante Heizkraftwerk soll eine Verbrennungskapazität von 350.000 bis 600.000 Tonnen im Jahr haben – je nach Energiegehalt des angelieferten Brennstoffs. Sowohl im Hinblick auf die technische Leistungsfähigkeit als auch auf Umweltschutzaspekte soll es höchste Standards erfüllen. So ist unter anderem eine moderne zweistufige Rauchgasreinigung vorgesehen, mit der die strengen deutschen Grenzwerte sicher eingehalten werden. Das Heizkraftwerk soll die Versorgung mit Strom und Dampf langfristig zu konkurrenzfähigen Preisen sichern und somit entscheidend dazu beitragen, die Zukunft des Werks mit über 400 Mitarbeitern zu sichern. Die Planungen stehen im Einklang mit dem jüngst von politischer Seite geäußerten Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der sachsen-anhaltinischen Wirtschaft durch möglichst niedrige Energiepreise zu erhalten. Solvay bekennt sich mit der geplanten Investition ebenso nachdrücklich zum Standort Bernburg wie Tönsmeier.