Vom Salz zum Solarflugzeug: 200 Jahre Solvay in Bad Wimpfen

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Obwohl der Solvay-Standort in Bad Wimpfen gerade erst 200 Kerzen auf seiner Geburtstagstorte ausgeblasen hat, ist er höchst lebendig und präsent: Erst jüngst haben die 300 Mitarbeiter des deutschen Werkes mit ihren im Solar Impulse verbauten Produkten zu einem der weltweit innovativsten Abenteuer beigesteuert – der Weltumrundung des Solarflugzeugs ohne einen einzigen Tropfen Treibstoff.

Das Erfolgsrezept für ein so langes Leben? Altes immer wieder aufs Neue verwerfen, Neues erfinden und einführen! Seit seiner Gründung 1817 hat sich Bad Wimpfen fortwährend gewandelt und ist seitdem immer besser und innovativer geworden.

Am Anfang war die Saline

1904–1905 — Workers from the Ludwigshalle salineClick to enlarge
Als Saline gegründet, produzierte das Werk zunächst Kochsalz. Dazu wurde Salzwasser, auch Sole genannt, auf Feuer eingedampft. „Dieses Geschäftsmodell wäre seit Generationen nicht mehr tragfähig“, so Werkleiter Uwe Männel. „Bergmännisch abgebautes Salz ist sehr viel kostengünstiger und in größeren Mengen verfügbar. Unsere Vorväter erkannten rechtzeitig, dass die Zukunft in neuen Produkten liegen würde.“

So produzierte die Saline dann anorganische Fluoride wie Kryolith, das u. a. für die Schmelzflusselektrolyse zur Gewinnung von Aluminium benötigt wird. Später folgten organische Fluorgase, wie unbrennbare Treibmittel für Spraydosen. Nachdem der spätere Nobelpreisträger Paul Crutzen deren Einfluss auf die Atmosphäre entdeckt hatte, wurde die Herstellung dieser Produkte wieder eingestellt.

Nachhaltige Chemieprodukte

Plant Wimpfen, Germany

„Heute sehen wir die Zukunft in Produkten, die langfristige Grundbedürfnisse der Menschheit befriedigen“, sagt Werkleiter Männel. „Menschen werden immer älter und ihre Zahl wächst unaufhörlich. Der Bedarf an wirksamen Arznei- und Pflanzenschutzmitteln steigt daher kontinuierlich. Bei der Synthese der Wirkstoffe sind Fluorverbindungen aus Bad Wimpfen unabkömmlich.“

Mobilität ist ein weiteres Grundbedürfnis. Quasi als Evergreen trägt die anorganische Fluorverbindung NOCOLOK® seit Jahrzehnten maßgeblich zum Erfolg bei. Benötigt wird es beim Löten von Wärmetauschern aus Aluminium, vor allem für Autokühler und -klimaanlagen.

Wimpfener Produkte sind natürlich auch im zukunftsweisenden Solar Impulse, in dem Menschen erstmals allein mit Solarstrom die Erde umrundeten, darunter ein  Additiv, das die Leistung und Lebensdauer der Akkus erhöht und ein Produkt zur Wärmeisolierung zum Schutz der Piloten im Cockpit. Fluorhaltige Chemikalien sind zudem ein wesentlicher Bestandteil für die Herstellung von Solarzellen und Mikrochips. „Auch zukünftig werden wir mit der Chemie wesentliche Beiträge zu den Herausforderungen von morgen leisten und blicken daher optimistisch auf die nächsten 200 Jahre“, so Werkleiter Männel.

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